Cine.Compassion: Die Möllner Briefe
Cine.Compassion: Die Möllner Briefe

Cine.Compassion: Die Möllner Briefe

Cine.Compassion: Die Möllner Briefe
Ein Filmabend, der bewegt und gleichzeitig
Fragen offenlässt

Ein weiterer eindrucksvoller Filmabend unserer Reihe Cine.Compassion fand im Filmkino Bambi statt: Es wurde der Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ von Martina Priessner gezeigt – ein Film, der lange nachwirkt und Raum für Erinnerung, Nachdenken und kritische Fragen eröffnet.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte von İbrahim Arslan, der als Siebenjähriger den rassistischen Brandanschlag von Mölln am 23. November 1992 überlebte. Seine Schwester Yeliz, seine Cousine Ayşe und seine Großmutter Bahide wurden dabei ermordet.

Mölln reiht sich damit in eine erschütternde Liste rassistischer Gewalttaten in Deutschland ein und steht exemplarisch für strukturellen und institutionellen Rassismus sowie für das Versagen von Behörden im Umgang mit Betroffenen.

Der Film erzählt jedoch nicht nur von der Tat selbst, sondern von dem, was danach geschah – und vor allem von dem, was ausblieb. Besonders eindringlich sind die verzweifelten Bewältigungsstrategien der einzelnen Betroffenen und natürlich die titelgebenden Briefe: Hunderte Menschen hatten 1992 Beileids- und Solidaritätsbekundungen an die Stadt Mölln geschickt, mit der Bitte, diese an die betroffenen Familien weiterzugeben. Doch die Briefe erreichten die Adressat*innen nie.

Erst 2019 wurden sie zufällig in einem Archiv entdeckt. Heute sind sie dem DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über Migration in Deutschland übergeben worden und bilden ein wichtiges Zeugnis gelebter, aber damals unterdrückter Solidarität.

Im Anschluss an die Filmvorführung entwickelte sich eine intensive Diskussion. Eine Stellungnahme der OMAS GEGEN RECHTS aus Mölln machte deutlich, dass es vor Ort durchaus solidarische Stimmen gegeben hat. Gleichzeitig bleiben jedoch viele Fragen offen: Warum kam diese Solidarität nicht bei den Betroffenen an? Wer oder was hat die Weitergabe der Briefe verhindert? Und ist das Ausmaß der langfristigen Folgen rassistischer Gewalt überhaupt nachvollziehbar, wenn man selbst nicht betroffen ist?

Ein Film, der gesehen werden sollte – und der zum Zuhören, Erinnern und Handeln auffordert.

Anja