06.05.2025 – Vortrag Andrea Röpke in Höxter
06.05.2025 – Vortrag Andrea Röpke in Höxter

06.05.2025 – Vortrag Andrea Röpke in Höxter

Endlich haben wir es zu einem Vortrag von Andrea Röpke geschafft! Viele von uns kennen sie: Sie hat als Journalistin, Autorin und Aktivistin den Rechtsextremismus von vielen Seiten beleuchtet und erforscht.

Aus ihren vielen Veröffentlichungen ist die Broschüre “Die Umsturzpartei. Wie die Af* unsere Demokratie gefährdet” beim American Jewish Committee Berlin unter diesem Link frei als PDF downloadbar.

Der heutige Vortrag stand unter dem Titel “Extrem rechte Erscheinungsbilder und Aktivitäten” (mit dem Untertitel “in Höxter und der Region” – es war aber inhaltlich bundesweit wichtig).

Präsentiert wurden:

  • das Weltbild völkisch-identitärer Kreise und warum es genau gegensätzlich zu demokratischen Werte steht
  • die Entwicklung der Nachfolge-Organisationen der Hitlerjugend, die in verschiedenen Formen bis heute aktiv sind, und in denen genau dieses völkische Bild gelebet, gelehrt und “eingetrichtert” wird
  • deren immense Bedeutung für rechtsextreme Organisationen und als “Kaderschmieden” der Af*
  • Auszüge aus den wichtigsten Büchern und Reden der Vordenker (ja, alles Männer) der heutigen Af*
  • die absichtlich notwendige Geschichtsverleugnung des Holocaust durch die Rechtsextremen
  • die Bedeutung von all dem für das, was die Af* heute so gefährlich für unsere Demokratie macht

Rechte Absichten

Andrea Röpke machte mit vielen Belegen deutlich, dass das Ziel der Rechtsextremen und der aktuell stärksten Af* Strömungen (Höcke) nicht nur die inzwischen bekannte “Verschiebung des Sagbaren” ist. Sie streben keine Reformen an, sie wollen keine demokratischen Lösungen, sondern die Abschaffung unseres Systems.

Hierzu gehört u.a. die Abschaffung des §130, der Volksverhetzung und Geschichtsverzerrrung unter Strafe stellt. Die Abschaffung dieses Paragraphen wäre ein “Freifahrtschein” für di Rechtsextremen.

“Vorausgedacht” wurde dies alles schon lange. Sowohl von Höcke selbst, als auch von mehreren rechtsextremen “Vordenkern”, u.a. von Götz Kubitschek, der schon 2006 hierzu sagte: “Unser Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform, nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party.” (https://dprg.de/singlenews/uid-965159/das-ende-der-party/)

Das Fazit: Niemand könne heute behaupten, er oder sie wisse nicht, wofür Höcke, Helferich & Co. stehen. Es solle sich auch niemand von Satzungen und Parteiprogrammen “blenden” lassen. 

Der “Masterplan Remigration” gehört zu den rechtsextremen Kampfbegriffen und verdeutlicht das angestrebte Ziel einer  homogenen Volksgemeinschaft, auch mit der (Zitat Höcke) dazu notwendigen “wohltemperierten Grausamkeit”. Sie fordern Toleranz, bieten aber keine. Sie richten sich “im Namen der Freiheit” eindeutig gegen die Freiheit. Sie sehen die Diktatur als bessere Staatsform.

Das Schlimme: Die Af* gewinnt nicht trotz, sondern wegen ihrer Radikalität und nimmt damit großen, negativen Einfluß auf soziale und private Beziehungen.

Was das alles schon mit uns, mit unserer Gesellschaft gemacht hat (und weiter machen kann) zeigen u.a.:

Das alles macht deutlich, dass die heutige Af* keine Partei ist, die man “einfach mal machen lassen” kann.

Denn genau das, was Brecht über die Nazis sagte, trifft immer noch zu: “Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“.

Und es sind keinesfalls die “Werte des kleinen Mannes”, für die die Af* steht. Es ist die gezielte Absicht, ein Staatssystem zu übernehmen und dann nach eigenen Vorstellungen umzubauen. Es ist das durchweg geplante Vorhaben, mit den Mitteln des demokratischen Staates den Staat selbst zu übernehmen, zum eigenen Vorteil. Das ist das klare Ziel von “Rechtsaußen” und Andrea Röpke konnte es mit vielen Zitaten, Analysen und Nachweisen in ihrem Vortrag belegen.

Ein Satz ist uns besonders im Kopf geblieben: “Wir müssen die Menschen von dem Irrglauben abbringen, dass es wieder so werden soll, wie es in Wahrheit nie war.”

Ebenso Ihr Appell: “Nicht für alles Lösungen haben, nicht zu allem eine Meinung haben. Wir müssen runter vom permanenten Krisenmodus – der nützt nur der Af*!”

Völkische Basis

Deutlich gemacht wurde auch, dass die völkisch-identitäre Basis, auf der weite Teile der rechtsextremen Bewegung basieren, keinen Platz für Weltoffenheit und Vielfalt bieten.

Hier steht das NS-Ideal der “Volksgemeinschaft” im Vordergrund. In “Inseln des Deutschtums” wird ein elitärer, weißen Habitus gelebt. Es zählt allein die “Volksgemeinschaft” – umd demgegenüber wird dann nahezu “seöbstverständlich” die Abschaffung des demokratischen, pluralistischen Staatssystem gefordert, da es als bedrohlich und störend empfunden wird.

Sie zitierte Boris Pistorius, der bereits 2020 als niedersächsicher Innenminister im Kontext des niedersächsischen Verfassungsschutzes sagte, dass der “völkische Gedanke” – die Vorstellung einer ethnisch homogenen Gemeinschaft – der gemeinsame Kern verschiedener rechtsextremer Strömungen ist. Er warnte, dass soziale Netzwerke als Echokammern fungieren, in denen sich völkisch-nationalistisches Gedankengut gegenseitig bestätigt. Rechtsextremismus sei “immer heterogener und dadurch immer unberechenbarer” geworden – und darin liege eine massive Gefahr für die Demokratie. (Vgl. u.a. taz)

In diesen völkischen, rechtsextremen Kreisen hat die “deutsche Großfamilie”  zur Sicherung der “Volksgemeinschaft” natürlich eine besondere Bedeutung. Hinter bürgerlichen Fassaden wachsen hier Kinder unter einem “völkisch-romantischen” Weltbild mit Erfolgsdruck, Gewalt in vielen Formen und Feindbildern auf. Der familiäre Nachwuchs wird hier ungefragt instrumentalisiert.

  • Buchtipp: Kontrakultur (Mario Müller) – Achtung: Dies ist ein Buch mit völkisch-identitärer Weltanschauung, das aber zu Studienzwecken über Bibliotheken erhältlich ist.

Dies führte zum nächsten Punkt:

Einfluß der Rechten auf die Jugend

Der Einfluß der Rechtsextremen vor allem auf die Jugend war ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags:

Vom Gefühl der “Abgehängten Jugendlichen” über Whitepower-Zeichen und den Happy Brenton Day (rechter Attentäter) bis hin zu sozialen Medien und rechten Codierungen:

Dazu zeigt Andrea Röpke die Entwicklung von der Hitrlerjugend über deren Nachfolge-Organisationen (Wikingjugend u.a.) auf, die als “Kaderschmieden” der heutigen Af* Akteuere angesehen werden können.

Diese Organisationen sind nicht nur “immer noch aktiv”, sondern erhalten wachsenden Zulauf. Hier wurde der Jugendforscher Klaus Hurrelmann zitiert:

“Rechtsextreme Positionen bieten Eideutigkeit. Und genau das macht sie für viele junge Menschen in unsicheren Zeiten so anschlussfähig.”

Sie stellte in diesem Zusammenhang auch die Arbeiten von Daniel Mullis vor:

Die zwei Stunden vergingen “wie im Flug”.

Die anschliessende Publikumsdiskussion ließ viel Raum für individuelle Fragen und Herausforderungen, die viel persönliche Betroffenheit deutlich machten – vom Schulbereich über die Jugendarbeit bis zum Vereinsleben.

Ein beeindruckender, erschrecken gut dokumentierter Vortrag – der mit einem großen Appell endete, dass wir uns alle gemeinsam unbedingt weiter für den Erhalt unserer demokratischen Werte einsetzen müssen!

Vielen, vielen herzlichen Dank für den Abend – sowohl an Andrea Röpke (mit der wir definitiv in Kontakt bleiben!) als auch an die OMAS Höxter, das Bündnis für Demokratie und Viefalt in Höxter, das Bündnis für Demokratie und Toleranz im Kreis Höxter und die VHS. Alles war perfekt organisiert und sie haben sehr umsichtig und gut vorbereitet durch die Veranstaltung geführt.

Es hat sich sehr gelohnt, dafür etwas mehr als eine Stunde durch das märchenhaft vernebelte Weserbergland nach Höxter zu fahren. Wir hoffen auf weitere gemeinsame Erlebnisse!

OMAS GEGEN RECHTS OWL  / Gütersloh
Kontakt: omasgegenrechtsowl@gmail.com