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Einzelbericht: Wie Stammtischparolen wirken

Einzelbericht: Wie Stammtischparolen wirken

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Wie Stammtischparolen wirken

Noch ein Einblick ins Seminar in Herzogenrath von der
Landeszentrale für politische Bildung NRW mit Hartmut Unger

Stammtischparolen begegnen uns an allen Ecken – im privaten Umfeld, in der Kneipe, am Infostand. Und wir sind selbst nicht davor gefeit, uns hier und da selbst solcher Stammtischparolen zu bedienen.

Wie erkenne ich Stammtischparolen – und wie kann ich ihnen wirkungsvoll entgegentreten?

Mit dieser Leitfrage starteten wir in das Seminar der Landeszentrale für politische Bildung NRW mit Hartmut Unger in Herzogenrath.
Dieser Einstieg bot uns Teilnehmenden nicht nur theoretischen Input, sondern auch viel Raum für Austausch und Erfahrung – und endete mit einer eindrücklichen Übung, die zum Nachdenken anregte.

Was sind Stammtischparolen?

Im Plenum wurden zunächst typische Merkmale gesammelt: Stammtischparolen sind meist provokant, emotional aufgeladen und stark verallgemeinernd. Sie zeichnen sich durch einfache Aussagen aus, selten durch Fragen. Sie bedienen Stereotype und erzeugen ein „Wir gegen die“-Gefühl – oft im Schutzraum Gleichgesinnter, wo sie auf schnelle Zustimmung hoffen. Dabei dienen sie weniger dem Austausch als der Abgrenzung und Selbstvergewisserung.

Warum sind Stammtischparolen so schwer zu kontern?

Diskussionen mit Parolen-Träger:innen erweisen sich oft als frustrierend. Fakten prallen ab, der Ton ist aufgeheizt, und wer widerspricht, gerät schnell selbst unter Druck. Angst vor Eskalation, Unsicherheit über die eigene Rolle und das Fehlen einer schnellen, passenden Reaktion erschweren eine klare Positionierung.

Rollenspiel: Wenn Parolen Fahrt aufnehmen

Besonders eindrücklich war ein Rollenspiel zur Aussage: „Als Frau traut man sich nachts gar nicht mehr alleine rauszugehen.“ Drei Teilnehmende übernahmen die Pro-Perspektive, drei die Contra-Seite.

Das Ergebnis war aufschlussreich – und erschreckend:
Obwohl es sich nur um ein Rollenspiel handelte, spielten sich die Pro-Vertreter:innen die Argumente nahezu perfekt zu. Emotional, verständlich, zustimmungsfähig – fast wie aus dem echten Leben. Die Gegenseite hingegen tat sich schwer, einen gemeinsamen Standpunkt zu finden. Uneinigkeit, Zögern und Unsicherheit verhinderten eine klare, überzeugende Gegenposition.

Die Übung zeigte: Parolen funktionieren nicht nur, weil sie laut sind – sondern weil sie im Zusammenspiel wirken, Emotionen bedienen und einfache Erklärungen liefern. Dagegen anzukommen, erfordert Vorbereitung, Strategie und Teamarbeit.

Was hilft im Umgang?

Im weiteren Verlauf des Nachmittags trugen wir konkrete Strategien zusammen:

  • Gesprächsvorbereitung: Was sage ich, wann und wo? (Rolle, Situation,Kontext)/ Was will ich erreichen? (Ziel)/ Wo ist meine Grenze? (Selbstschutz)

  • Fragen stellen statt belehren: Offene oder subversive Fragen können festgefahrene Aussagen aufweichen. (Was?Wann?Wer? Wo? Wozu? Warum?)

  • Emotionen spiegeln und umlenken: Ruhige, kontrollierte Emotionen können deeskalierend wirken.

  • Aussagen entlarven: Widersprüche zulassen, überzeichnen und/ oder karikieren.

  • Andere einbeziehen: „Wie siehst du das?“ – Verbündete suchen, nicht allein argumentieren.

  • Empathie und Geschichten: Eigene Erfahrungen oder Perspektiven erzählen schafft Nähe statt Konfrontation.

Fazit

Der Seminartag in Herzogenrath machte eindrucksvoll deutlich, wie wirkungsvoll Stammtischparolen sein können – und wie wichtig es ist, ihnen nicht unvorbereitet zu begegnen. Sie zu entkräften erfordert mehr als gute Argumente: Es braucht Haltung, Aufmerksamkeit, Mitstreiter:innen und manchmal auch den Mut, nicht sofort die perfekte Antwort zu haben.
Vor allem sollten ich wissen, wo meine persönliche Grenze ist? Wann steige ich gar nicht erst ins Gespräch ein bzw. Wann steige ich aus?

Für die Infostände bedeutet das außerdem:

  • Wo sind meine Stärken und Kompetenzen?
  • Wann brauche ich Hilfe und Unterstützung?
  • Wie signalisieren ich das?
  • Mit wem bilde ich ggfs. ein Tandem?

Anja
omasgegenrechts-owl.de

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