Ein Abend mit Wirkung – Unser gemeinsamer Filmabend in der Notunterkunft für Geflüchtete
Es ist bereits dunkel, als wir die ehemalige Kaserne betreten. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen abgeschirmt, ein Ort des Übergangs, eine erste Zuflucht für Menschen, die oft erst wenige Stunden oder Tage zuvor auf deutschem Boden angekommen sind. Auch an diesem Abend sind 40 weitere Geflüchtete angekommen.
Gemeinsam mit dem DRK Kreis Gütersloh, dem Bambikino, dem Projekt Demokratie leben! und der Stadt Gütersloh gestalten wir im Rahmen der Reihe Cine.Compassion einen Filmabend für die dort lebenden Menschen .
Der Haupttreffpunkt befindet sich im ehemaligen britischen Armee-Shop – ein Raum mit Mensa-Atmosphäre, der sich für ein kurze Weile in ein kleines Kino verwandelt. Ein Raum wird zum Ort der Nähe
Wir zeigen Shaun das Schaf – Der Film. Eine bewusst Wahl: humorvoll, spracharm, niedrigschwellig – ein Film, der ohne viele Worte verbindet.
Und genau das passiert.
Während der Film läuft, erfüllt ein Gefühl von Unbeschwertheit den Raum.
Ich sehe Familien, Kinder, junge Männer. Eine schwangere Frau, einen jungen Mann im Rollstuhl. Gesichter, die für einen kurzen Moment loslassen. Lachen, Staunen, ein Stück Normalität. Wir sitzen mittendrin, Seite an Seite. Ein Raum voller Menschen, die einander eigentlich fremd sind – und sich dennoch nahe fühlen.
Zwischen Dankbarkeit und der Rückkehr der Schwere
Mit dem Filmende kommt ein kurzer Applaus auf. Viele bedanken sich persönlich. In ihren Augen sehe ich Wärme – aber auch die Schwere, die sofort wieder zurückkehrt. Die Ungewissheit über das, was kommt. Die Frage nach Sicherheit, nach Zukunft, nach Perspektive.
Nach einem kurzen Gespräch mit den Initiator:innen verlassen wir den Sicherheitsbereich. Die Geflüchteten gehen zurück in ihre Unterkunfts-Zimmer; wir kehren zurück in unser privilegiertes Leben.
Doch in uns bleibt dieser Abend. Die Eindrücke. Die Nähe. Und die Wut – darüber, wie geflüchtete Menschen in unserer Gesellschaft behandelt werden. Wut über politische Entscheidungen, die das Ankommen erschweren, statt zu erleichtern. Wut darüber, dass Menschenwürde zunehmend verhandelbar zu werden scheint.
Warum solche Abende wichtig sind
Filmabende wie dieser lösen keine großen politischen Probleme. Aber sie schaffen Momente echter Begegnung. Sie zeigen: Verbundenheit entsteht dort, wo Menschen einander wirklich sehen.
Und sie erinnern uns daran, weshalb wir uns als OMAS GEGEN RECHTS OWL engagieren: Für Menschlichkeit. Für Solidarität. Für ein Deutschland, das Schutzsuchenden Schutz bietet – und nicht Misstrauen oder nahezu unüberwindbare Hürden.
Dieser Abend hat uns einmal mehr darin bestärkt, dran zu bleiben. Laut zu sein. Und Räume zu schaffen, in denen Menschlichkeit selbstverständlich ist.
OMA Anja
