Organisiert von unserer AG Geschichte besuchten wir am 14.04.26 das “Stammlager (Stalag) Senne”.
> stalag326.de
Die “Senne”, ein sandiger Landstrich Ostwestfalens (NRW), ist auch heute noch eines der größten Truppenübungsgebiet Deutschlands.
> Lageplan auf Google
Stalag? Staumühle?
Einige von uns waren zunächst erstaunt über die Lage des eigentlichen Stalag, denn es wird häufig mit dem nur wenige Kilometer entfernten, kleineren Lager “Staumühle” verwechselt. Staumühle wurde zwar vom Stalag 326 mitgenutzt, hat aber eine andere und viel längere Geschichte (> Wikipedia | > Geschichte Staumühle | > JVA Hövelhof historisch)
Stammlager 326
Unser Besuch galt nun aber dem eigentlichen “Stammlager 326”, das von 1941 bis 1945 mit bis zu 200.000 registrierten Insassen eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager war, vor allem für sowjetische Gefangene. Es diente der Internierung sowie der “Vorsortierung” für die Zwangsarbeit. u.a. zur “Weiterleitung” an den Stahl- und Bergbau des Ruhrgebiets.
Die Häftlinge mussten unter widrigsten Bedingungen leben. Aanfangs gab es nur das Gelände, keinerlei Gebäude für die Insassen, so dass die Menschen sich ohne jegliche Hilfsmittel Laubhütten bauen oder Erdhügel graben mussten. Viele starben an Schwäche, Krankheiten und Unterernährung … Schätzungen zufolge kamen hier ca. 65.000 Menschen ums Leben (Quelle: derdom.de) – das sind mehr als in Bergen-Belsen, Buchenwald oder Neuengamme.
Die definitiven Zahlen sind schwer nachweisbar, aber die Dimension hat uns doch nachhaltig beeindruckt, denn selbst in der näheren Umgebung ist zwar bekannt, dass hier “irgendein Lager war” – nicht aber dessen wirkliche Größe und Bedeutung. Darüber wurden wir bei diesem Besuch gut informiert.
Es sind zwar nur noch zwei Gebäude erhalten (das Gelände ist ansonsten zu einer Polizeischule umgebaut). Aber diese beiden Gebäude haben es “in sich”!
Die Gedenkstätte Stalag 326 leistet hier umfangreiche Erinnerung- und Dokumentationsarbeit als Zeugnis der unsäglichen Menschenverachtung. Es wird versucht, Schicksale von Kriegsgefangenen zu klären und Angehörige bei ihren Besuchen zu begleiten. Darüber hinaus gibt es ein Bildungsangebot für Schulen und Jugendliche. So haben inzwischen haben mehr als 50.000 Menschen die Gedenkstätte besucht.
Wir lassen hier im folgenden die Foto-Alben wirken. Ausführliche Informationen finden sich auch auf der Webseite der Gedenkstätte: > stalag326.de
Eingangsbereich
Nachdem wir das Gelände durch den Kontrollpunkt betreten hatten, trafen wir uns am ehemaligen Arrestgebäude. Hierin befindet sich die heutige Hauptaustellung:
Ausstellung im ehemaligen Arrestgebäude
Obwohl der Raum nicht besonders groß ist, hatten wir das Gefühl. hier eine kompakte Gesamtdarstellung der Nazi-Abscheulichkeiten bei der Behandlung von Kriegsgefangenen vorzufinden – von der Registrierung über das “Lagerleben” und die Kontakte zur Bevölkerung bis hin zu Widerstand und Befreiung. Unser Respekt geht an alle, die bei dieser Zusammenstellung mitgewirkt haben!
Entlausung
Das Wort erinnert sofort an den Holocaust. Hier geht es aber tatsächlich um eine Entlausungsanlage, die den Ausbruch von Krankheiten eindämmen sollte. Die Insassen wurden ja immerhin noch als Arbeitskräfte benötigt … einen Bericht darüber gibt es bei den LWL Museen (https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=+11&url_tabelle=tab_medien):
“Da die Geräte (die tschechischen Beutewagen) für… alle Entlausungen nicht ausreichen würden, begann man schon bald mit der Errichtung einer massiven modernen Entlausungsanlage, die eine einwandfreie Entlausung von 2.000 Mann in 24 Stunden schaffen konnte. Russische Fachleute unter deutscher Aufsicht bedienten die Anlage. Die Bekleidung wurde in Heißluftkammern behandelt, die Männer total enthaart und gründlich geduscht. Je zwei Mann erhielten ein Stuck (Kriegs)Seife und ein Handtuch.”
An der Fassade ist heute noch eine von zwei Gefangenen modellierte und in Beton gegossene Laus deutlich zu erkennen. Der Gang durch die Hallen war sehr beklemmend.
Demokratie-Arbeit
Ein Teil der Anlage wird heute für Seminare, Demokratie- und Erinnerungs-Arbeit genutzt.
Sehr beachtlich ist das Projekt “MemoryMaker“: Im Stalag waren auch Kinder und Jugendliche interniert. Mit dem Projekt “MemoryMaker” wird deren Geschichte von jungen Erwachsene aus der Region aufgearbeitet – sowohl kreativ als auch digital. Mehr darüber siehe > https://stalag326.de/memory-maker/
Nach dem Krieg / Sozialwerk
Nach Kriegsende nutzte die britische Armee das Gelände als NS-Internierungslager. 1948 wurden die verbliebenen Insassen nach Staumühle verlegt und das Stalag zu einem Sozialwerk für Flüchtlinge und Vertriebene umgebaut, das bis 1970 in Betrieb war. Hierzu gibt es ebenfalls eine kleine Ausstellung:
Ehrenfriedhof
Zum Abschluss besuchten wir den nahgelegenen > Ehrenfriedhof des Stalag 326.
Dieser war nach der Befreiung 1945 auf den ehemaligen “Gräberfeldern” des Stalag angelegt worden – von den Überlebenden selbst, in Eigenarbeit, obwohl sie kaum noch Kräfte hatten! Sie markierten die Reihen der Massengräber mit Gedenksteinen und errichteten einen 10 Meter hohen Obelisken mit einer mehrsprachigen Gedenktafel als Mahnmal.
Die Materialien dazu stammten direkt aus dem Stalag. So wurden bspw. die Schienen der ehemaligen Schmalspurbahn des Lagers als Querstreben für den Friedhofszaun eingesetzt.
Bücher
Rund um die Dokumentations-, Aufarbeitungs- und Demokratie-Arbeit des Stalag stehen viele Bücher und Broschüren zur Verfügung, siehe auch https://stalag326.de/buchshop/
Wir bedanken uns herzlich bei Burkhard Poste von der Stalag Gedenkstätte für den informativen Nachmittag!
Weitere Informationen: https://stalag326.de/
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OMAS GEGEN RECHTS OWL / Gütersloh
omasgegenrechtsowl@gmail.com




























































































